Ein Kult-Fahrzeug, das Generationen prägte: der VW Käfer

Geboren in Zeiten des Krieges

Wenige Monate vor seiner Ernennung zum Reichpräsidenten und zum „Führer und Reichskanzler“ forderte Adolf Hitler auf der 24. Automobil- und Motorradausstellung in Berlin die Abschaffung des Zweiklassen-Charakters durch ein Auto für jedermann. Das Fahrzeug sollte dauerhaft 100 km/h leisten, vier Sitzplätze für eine Familie bieten und unter 1000 Reichsmark kosten. 1938 legte Hitler den Grundstein für das Volkswagenwerk bei Fallersleben.
Die NS-Organisation „Kraft durch Freude“ war Namensgeber für den KdF-Wagen. Den Auftrag für die Entwicklung erhielt Ferdinand Porsche. Die 1938 gebauten Vorserienfahrzeuge  waren nur für Vorführungen bestimmt. 
Die Unruhen in Europa zögerten den Bau des Werkes hinaus. Alle Kapazitäten unterstanden der Rüstung für den Krieg. Die Bürger kauften Anrechtsscheine um ein Fahrzeug zu ersparen und zu reservieren. Die ersten 630 Fahrzeuge, die vor Kriegsende vom Band liefen, forderte das Militär. Als die Briten 1945 die Region beanspruchten, benannten Sie das Werk in „Wolfsburg Motor Works“ um. Es entstand die heutige Stadt Wolfsburg. Der KdF-Wagen hieß ab da an Volkswagen. Der Spitzname „Käfer“ setzte sich schnell für das 750 kg schwere und 24 PS starke Familienauto durch.

Nachkriegszeit und Wirtschaftswunder: Der Käfer als Symbol des Aufschwungs

Wie der Phönix aus der Asche verhalf der Wiederaufbau Deutschland zu wirtschaftlichem Glanz. Die Menschen waren gleicher: Es gab Reiche, die nach dem Krieg alles verloren hatten und Arme, die erfolgreich einen Neuanfang fanden. Die Produktion des Käfers kam in Fahrt. Es galt eine große Anzahl Sparer zu bedienen, die am Anfang des Krieges bereits 278 Millionen Reichsmark eingezahlt hatten. 
Die ersten Fahrzeuge wurden noch aus Restteilen und mit der Bodengruppe der militärischen Kübelwagen gefertigt. Als Anfang 1946 endlich die Serienfertigung des Typ 11 (der „Brezelkäfer“) auf Touren kam, blieb der Wagen dem Volke weiter vorenthalten: das britische Militär und die deutschen Behörden bekamen Vorrang. 1947 wurden fast 9.000 Exemplare gefertigt, 1949 lief der 25.000ste Käfer vom Band. Der Absatz florierte, schnell exportierten die Deutschen den Käfer in Europa und über den Atlantik. Den einmillionsten Volkswagen feierten die Wolfsburger 1955 mit Goldlackierung, Brokatbezügen und geschliffenen Glasperlen.

Die Rezession

Trotz der optischen und technischen Veränderungen blieb der Käfer sich selbst über die Jahre treu. Das brachte auch Nachteile: Bei hohen Geschwindigkeiten verlor das Fahrzeug die Stabilität, die Luftkühlung war zu schwach und das Kofferraumvolumen genügte nicht mehr den Ansprüchen der Kunden. 
Das Wirtschaftswachstum flachte ab und erreichte im Sommer 1967 den Stillstand. Die Kaufkraft sank. Langsam aber sicher neigte sich gleichzeitig die Erfolgsstory dem Ende zu. 1978 wechselte der Produktionsstandort von Emden nach Brüssel. 1985 gab VW den Käfer letztendlich nach Mexiko ab. Nun war er kein Volkswagen mehr. Nummer 21.529.464 ist der letzte Käfer, der am 30. Juli 2003 in Mexiko gebaut wurde. Er beendet die Geschichte des Arbeiters, der von den Stränden Italiens träumte.