Profiltiefe messen: Wann müssen Winterreifen gewechselt werden?

Die Profilrillen: Funktion und Vorgaben
 
Die Rillen des Reifens funktionieren bei Feuchtigkeit wie eine Drainage: Während des Abrollens soll möglichst viel Wasser in die Profilrillen umgeleitet werden, damit die Lauffläche einen guten Bodenkontakt behält.

Auch wenn die Gefahr von Aquaplaning oder Rutschen deutlich reduziert wird, kann es dennoch nicht vollständig unterbunden werden. Auf Schnee verhelfen eher mehrere kleine Lamellen zu einer besseren Haftung. Auf dem hart umkämpften Markt konkurrieren Hersteller mit vielerlei Designs und Gummigemischen.

Nach der StVZO müssen Winterreifen in Deutschland mindestens eine Profiltiefe von 1,6 mm aufweisen. Für Klein- und Leichtkrafträder reicht sogar eine Tiefe von 1,0 mm.

In manchen Ländern wie Österreich oder Tschechien gilt im Winter eine Mindesttiefe von 4 mm, in der Ukraine sogar 6 mm. Strafen für Verkehrsverstöße fallen im Ausland oft sehr empfindlich aus, anders als in Deutschland. Deshalb ist es ratsam vor einer Reise zu überprüfen, ob das Fahrzeug den jeweiligen Bestimmungen entspricht.

Wie sieht es unter realen Bedingungen aus?

Ab welcher Profiltiefe macht ein Wechsel Sinn? Sind die einen Gesetzgeber zu vorsichtig oder die andere zu nachlässig? Für das Verhalten der Reifen bei Schnee, Eis oder Feuchtigkeit gibt es außer dem Alpin-Kennzeichen keine für den Verbraucher hilfreichen Normen. 

Experten raten in Deutschland zu einem Reifenwechsel bei 3 bis 4 mm. Denn in verschiedenen Fahrversuchen, auch durch den ADAC, konnte bei geringerer Hauptprofiltiefe eine signifikant verschlechterte Bodenhaftung nachgewiesen werden.

Informieren Sie sich deshalb auf vertrauenswürdigen Portalen über die Testergebnisse zu den verschiedenen Reifenmodellen: Winterreifen für deutsches Wetter sollten einerseits mit guten Bewertungen bei Schnee, Eis, Matsch und Regen ausgezeichnet sein und gleichzeitig bei trockenen 15°C nicht im wahrsten Sinne des Wortes an der Straße kleben bleiben. 

Die Messung – es zählt immer der geringste Wert

Rein ohne Hilfsmittel lässt sich die Profiltiefe an der Reifenverschleißanzeige bewerten, den kleinen Querbalken in den Hauptrillen. Ist der Querbalken bereits bündig mit der Lauffläche, dann ist es höchste Zeit beim Pkw die Reifen zu wechseln, denn dann sind die minimalen 1,6 mm erreicht. Trägt das Versäumnis zu einem Unfall bei, dann kann die Versicherung die Kostenübernahme teilweise oder vollständig verweigern. Bei Todesfolge sind Haftstrafen möglich.

Der Trick mit der Ein-Euro-Münze: Der messingfarbige Außenring hat eine Breite von 3 mm. Wenn man die Münze in das Profil steckt, dann kann man die Tiefe gut abschätzen. Besonders, wenn die Lauffläche schon fast auf gleicher Höhe ist.

Mechanische Profilmesser kann man kaufen, manchmal bekommt man sie als Give-away geschenkt. Damit lässt sich die Profiltiefe sehr genau bestimmen, denn das Ergebnis ist komplett unabhängig vom Blickwinkel des Betrachters und die Messspitze nimmt den Wert senkrecht zur lokalen Lauffläche. Die digitale Variante unterscheidet sich lediglich durch die Form der Anzeige.

Bei der Lasertriangulation misst ein Gerät in einer Bodenplatte beim Überfahren die Profiltiefe der vollständigen Reifenbreite, bis zu einer Geschwindigkeit von  100 km/h.